Im Jahr 2027 jährt sich der Gründungstag der Alten Mainzer Universität zum 550. Mal. Zwar kann die Mainzer Universität – anders als andere im 15. Jahrhundert gegründete Hochschulen – keine durchgängige Kontinuität vorweisen. Das aber macht ihre Geschichte umso spannender.

Gegründet wurde die “kurfürstlich-mainzische hohe Schule” vom Mainzer Erzbischof, Kurfürst Diether von Isenburg (1412-1482, Kurfürst von 1459-1461 und ab 1475). Bereits sein Vorgänger, Erzbischof Adolf II. von Nassau (1423-1475, Kurfürst ab 1461), hatte einen Versuch unternommen, in Mainz eine Universität einzurichten. Der Wunsch nach einer Hochschule am Rhein hatte dabei nicht nur humanistische Wurzeln, sondern entsprach auch einem praktischen Bedürfnis: Das Kurfürstentum Mainz war territorial weit verstreut, und die einzige bestehende Universität im Kurgebiet, Erfurt, lag weit im Osten. Erfurt war zudem als städtische Gründung dem direkten Einfluss des Erzkanzlers nur begrenzt zugänglich. Eine neue Hochschule am Rhein sollte daher vor allem die näher gelegenen kurmainzischen Gebiete versorgen, wie den Rheingau sowie das mainzische Franken zwischen Aschaffenburg und Amorbach, die später auch zum wichtigsten Einzugsgebiet für Studierende und Lehrende werden sollte. Im 15. Jahrhundert benötigte eine solche Universitätsgründung ein päpstliches oder kaiserliches Gründungsprivileg. Hierfür wandte Diether sich an Papst Paul II. (1417-1471, Papst ab 1464), dessen Genehmigung er am 31. Juli 1469 erhielt. Das Vorhaben Adolfs scheiterte bedingt durch die turbulenten Verhältnisse nach der Mainzer Stiftsfehde (1459-1463) und insbesondere an fehlenden finanziellen Mitteln.

Nach dem Tod Adolfs II. von Nassau wählten die Mainzer Domherren Diether von Isenburg erneut zum Erzbischof, obwohl Papst Sixtus IV. (1414-1484, Papst ab 1471) sich ausdrücklich gegen diese Wahl ausgesprochen hatte. Bereits im darauffolgenden Jahr griff Diether die Universitätsgründungspläne seines Vorgängers auf. Er schickte eine Gesandtschaft mit einer entsprechenden Bittschrift nach Rom, in der dargelegt wurde, dass die studia litterarum dem Aufbau des katholischen Glaubens, der Pflege der Gerechtigkeit sowie der öffentlichen und privaten Wohlfahrt dienen sollten. Tatsächlich wurde das Gründungsprivileg noch während der Anwesenheit der erzbischöflichen Gesandtschaft in Rom ausgefertigt, und so konnte Diether von Isenburg am 1. Oktober 1477 zur Eröffnung der Mainzer Universität laden. Zu Beginn erhielt die Universität 14 Lehrstühle – ebenso viele wie das im selben Jahr gegründete studium generale in Tübingen. Davon entfielen sieben den Artistenfakultät, die die sieben „Freien Künste“, also Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik zum Gegenstand hatte. Vier Lehrstühle gingen an die Juristische, zwei an die Theologische und nur einer an die Medizinische Fakultät.

Das Lehrangebot der neu gegründeten Universität umfasste neben Theologie, Medizin sowie kirchlichem und römischem Recht auch die sieben „Freien Künste“ Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik. Überregionale Aufmerksamkeit gewann sie jedoch bereits in ihrer Anfangszeit durch einzelne Gelehrte – nicht zuletzt durch das Wirken von Dietrich Gresemund dem Jüngeren (1477-1512), der als „Vater des Mainzer Humanismus“ bezeichnet wird und mit seiner Lehrtätigkeit an der Juristischen Fakultät in den Jahren 1504/05 die wissenschaftlichen und literarischen Bestrebungen in Mainz maßgeblich anregte. Die Prägung der Mainzer Universität durch den Humanismus wurde auch durch die Einrichtung des ersten Lehrstuhls für Geschichte Anfang des 16. Jahrhunderts durch den Kirchenrechtler Ivo Wittich (1456-1507) gefördert – des einzigen seiner Art im gesamten Reich. Auch der Gelehrte Florentius Diel (1473- nach 1518), der in der Frühphase der Universität als Professor und Dekan tätig war, engagierte sich intensiv in den humanistischen Debatten seiner Zeit. In dieser ersten Phase des Humanismus, die bis zum Regierungsantritt Kurfürst Albrechts von Brandenburg (1490-1545, Kurfürst ab 1514) im Jahr 1514 reichte, florierte das humanistische Gedankengut an der Mainzer Universität. 

Durch die Verwicklung des Mainzer Erzbischofes Albrechts von Brandenburg in den Ablassstreit und den Thesenanschlag Martin Luthers (1483-1546) im Jahr 1517 geriet die noch junge Mainzer Universität schnell in die Auseinandersetzungen um die Ideen der Reformation.

Auch Mainzer Dozenten waren in die Geschehnisse um das Jahr 1517 eingebunden. Sie verfassten ein Gutachten, in dem sie Luthers Thesen verurteilten, und überreichten dieses dem Erzbischof. Dieser hatte jedoch bereits zuvor beschlossen, die Thesen an die römische Kurie weiterzuleiten. Mit dem Wormser Edikt von 1521 erhielt die Auseinandersetzung auch auf Reichsebene eine neue Schärfe: Kaiser Karl V. verhängte darin die Reichsacht über Martin Luther und verbot die Verbreitung und Lektüre seiner Schriften. Trotz dieses kaiserlichen Vorgehens zögerte Albrecht von Brandenburg lange Zeit, entschieden gegen die Reformationsbewegung vorzugehen. Eine Rolle spielte dabei auch der Einfluss des Dompredigers und Professors Wolfgang Fabricius Capito (1478-1541). Erst nach Capitos Weggang erließ der Erzbischof am 6. September 1523 einen Erlass, der sich auf die Beschlüsse des Nürnberger Reichstags vom 6. März desselben Jahres berief und den Geistlichen lutherische Predigten wie auch das Lesen lutherischer Schriften untersagte. Die humanistische Blütezeit der Mainzer Universität endete unter den Vorzeichen von Reformation und Gegenreformation. Zugleich verschärften sich wirtschaftliche Probleme der Hochschule. Wie viele katholische Universitäten der Frühen Neuzeit war auch Mainz eng mit kirchlichen Einrichtungen verbunden. Die Professoren wurden nicht aus einem modernen Universitätshaushalt bezahlt, sondern vielfach über sogenannte Lektoralpräbenden finanziert. Dabei handelte es sich um kirchliche Einkünfte, die mit bestimmten Ämtern an Stiften verbunden waren. Wer eine solche Pfründe erhielt, gehörte in der Regel dem geistlichen Stand an und war nicht zuletzt nicht nur zur Lehre, sondern häufig auch zu kirchlichen Diensten verpflichtet. Dieses Finanzierungsmodell erwies sich in Mainz jedoch als konfliktanfällig. Sie von Papst Sixtus IV. für die Universität vorgesehene Ausstattung mi 14 Lektoralpräbenden wurde von den beteiligten Mainzer Stiften nicht immer zuverlässig getragen. Albrecht von Brandenburg unternahm in den Jahren 1523, 1535 und 1541 mehrfach Reformversuche, konnte jedoch die finanzielle Situation der Universität nicht entscheidend verbessern.

Die ersten Berührungspunkte zwischen der Mainzer Universität und den Jesuiten entstanden durch Pierre Favre (dt. Peter Faber, 1506-1546), einen Mitbegründer des Ordens, der bereits 1543 Vorlesungen in Mainz hielt sowie durch Petrus Canisius (1521-1597), einen der ersten deutschen Jesuiten und einflussreichen Protagonisten der Gegenreformation.

Nach längeren Verhandlungen wurde schließlich am 9. Dezember 1561 das Mainzer Jesuitenkolleg eröffnet, und bereits 1563 begannen Jesuiten, Vorlesungen an der Philosophischen Fakultät der Universität zu halten. In der endgültigen Gründungsurkunde des Kollegs, die am 7. September 1568 vom Erzbischof unterzeichnet wurde, ist sowohl die Übergabe der Burse „Zum Algesheimer“ als auch die Zuweisung des Barfüßerklosters als Wohnhaus für die Jesuiten festgeschrieben.

Zudem wurde das Kolleg als vollwertiges Glied der Universität anerkannt und erhielt die Befugnis, Promotionen in den Disziplinen Theologie und Philosophie zu verleihen.24 Das Kolleg entwickelte sich rasch zu einem Anziehungspunkt.25 Die stetig wachsenden Studentenzahlen machten eine bauliche Erweiterung der Universität notwendig. Zwischen 1615 und 1618 errichtete Kurfürst Johann Schweikard von Kronberg (1553-1626, Kurfürst ab 1604) daher die sogenannte Domus Universitatis – einen repräsentativen vierstöckigen Renaissance-Bau, der die Philosophische und Theologische Fakultät sowie das Jesuitengymnasium beherbergte. 

Insgesamt trug die Etablierung des Jesuitenordens in Mainz wesentlich dazu bei, den Einfluss und die Strahlkraft der Universität im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wieder deutlich über die Grenzen des Erzstifts hinaus zu stärken. Zugleich veränderte sich die inhaltliche Ausrichtung: Das humanistische Profil der Universität rückte in den Hintergrund, während der kirchlich-theologische Charakter erneut stärker hervortrat.

Die Grundsteinlegung für das Gebäude am Höfchen erfolgte am 31. Juli 1615, dem Festtag des heiligen Ignatius von Loyola. Auch der Zeitpunkt verweist auf die enge Verbindung des Neubaus mit dem Jesuitenorden, dessen Gründer Ignatius war. Durch seine Größe und vor allem durch die beiden Dachreiter prägte Domus Universitatis über lange Zeit das Mainzer Stadtbild. Bei der Beschießung der von französischen Truppen besetzten Stadt im Jahr 1793 geriet das Gebäude in Brand, bei dem auch die beiden Dachreiter zerstört wurden. Nach der anschließenden Instandsetzung wurde die Domus zunächst als Kaserne genutzt, bevor sie ab 1889 als Schul- und Verwaltungsgebäude diente.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bau bei den Luftangriffen vom 12. und 13. August 1942 stark beschädigt und brannte weitgehend aus. Erhalten blieben insbesondere die Außenmauern und die Renaissanceportale des Bildhauers Johannes Juncker. Beim Wiederaufbau im Jahr 1952 wurde zunächst nur einer der markanten Dachreiter rekonstruiert. Erst im Zuge einer Dachsanierung im Jahr 2005 erhielt der Bau wieder zwei Dachreiter. Heute beherbergt das Gebäude das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) sowie das Journalistische Seminar der Johannes Gutenberg-Universität.

1631 wurde Mainz von schwedischen Truppen besetzt. Infolge von Epidemien sank auch die Zahl der Studierenden. Als die Schweden nach einer mehrmonatigen Belagerung kapitulierten und im Januar 1636 abzogen, zeigten sich die Verwüstungen besonders deutlich: Es mangelte an Lebensmitteln, viele Bürger konnten keine Steuern mehr entrichten, zahlreiche Häuser waren beschädigt und der schwedische König Gustav II. Adolf (1594-1632, König ab 1611) ließ einen Großteil der Mainzer Universitätsbibliothek von seinen Truppen nach Schweden abführen. Diese Situation und eine weitere militärische Besetzung von Mainz, diesmal durch Frankreich (1644-1650) wirkten sich stark auf die Universität aus, die sich erst allmählich wieder erholen konnte. Zwar setzten sich insbesondere Kurfürst Johann Philipp von Schönborn (1605-1673, Kurfürst ab 1647) und sein Nachfolger Kurfürst Lothar Franz von Schönborn (1655-1729, Kurfürst ab 1695) aktiv für Reformen der Mainzer Universität ein, konnten aber wenig ausrichten: Beide Schönborn-Kurfürsten strebten einen Ausbau der Medizinischen und Juristischen Fakultät an, und Lothar Franz gelang es sogar 1713 die päpstliche Zustimmung zu einer Aufhebung von 30 Präbenden und Kanonikaten an verschiedenen Stiften des Mainzer Erzbistums zu erwirken, um mit den freiwerdenden Mitteln zusätzliche Professuren an den beiden Fakultäten zu finanzieren. Die betroffenen Stifte erreichten es aber, dass Kurfürst Ludwig von Pfalz-Neuburg (1664-1732, Kurfürst seit 1729) diese Maßnahme wieder rückgängig machte. Erst unter Kurfürst Johann Friedrich Karl von Ostein (1689-1763, Kurfürst ab 1743) wurde im Jahr 1746 eine neue Universitätsverfassung verabschiedet, in der erstmals die alten Universitätstraditionen zusammengefasst wurden. Allerdings versiegten die Bemühungen um die Mainzer Universität gegen Ende der Regierungszeit Osteins, und sein Nachfolger Emmerich Joseph von Breidbach-Bürresheim (1707-1774, Kurfürst seit 1763) wandte sich zunächst einer Reform der Erfurter Universität zu. Die Aufhebung des Jesuitenordens durch Papst Clemens XIV. (1705-1774, Papst ab 1769) am 21. Juli 1773 eröffnete dem aufgeklärten Erzbischof aber die Möglichkeit, auch die Mainzer Universität umzugestalten. Nach der Auflösung des Jesuitenkollegs am 6. September desselben Jahres wurden alle Professoren des aufgehobenen Ordens von ihren Posten entfernt, die der Kurfürst bevorzugt mit überzeugten Anhängern der Aufklärung wiederbesetzte. Den Plan einer umfassenden Reform zum dreihundertjährigen Jubiläum 1777 konnte Kurfürst Emmerich Joseph aber nicht mehr umsetzen. 

Erzbischof Friedrich Karl Joseph von Erthal (1719-1802, Kurfürst ab 1774) gelangte als Kandidat der konservativ-reaktionären Mehrheit des Mainzer Domkapitels in sein Amt. Er knüpfte jedoch schon bald in vielen Bereichen, so auch an die Universitätspolitik, an die Maßnahmen Breidbach-Bürresheims an, und es gelang ihm, die große Universitätsreform umzusetzen, an der seine Vorgänger gescheitert waren. Eine grundlegende Voraussetzung hierfür schuf 1781 die Errichtung des Universitätsfonds, in den das Vermögen der drei reichsten Mainzer Klöster einfloss, die mit kaiserlicher und päpstlicher Zustimmung aufgehoben wurden. Für die inhaltliche Ausgestaltung der Reform zeichnete wesentlich der 1782 zum Universitätskurator ernannte Anselm Franz von Bentzel-Sternau (1738-1786) verantwortlich. Die 1784 verabschiedete „Neue Verfassung“ trägt deutlich die Handschrift dieses überzeugten Anhängers der Aufklärung. So wurden zwei neue Fakultäten, die Historisch-Statistische und die Kameralistische, gegründet und so das Fächerspektrum wesentlich erweitert. Die Universität wurde nicht nur für nichtkatholische Studenten, sondern erstmals auch für evangelische Professoren geöffnet. In der Frage des Promotionsrechts für Nichtkatholiken leistete der Kurfürst den entsprechenden Bestrebungen Bentzels jedoch lange Widerstand. Auch bei dem im November 1784 aufwändig gefeierten Restaurationsfest ließ Erthal in seinen Äußerungen keinen Zweifel an der dienenden Rolle, die er der Universität und den Wissenschaften gegenüber Kirche und Staat zuwies. Gleichwohl fand die Reform große Beachtung in der aufgeklärten Öffentlichkeit und erhöhte die Anziehungskraft der Mainzer Hochschule für Studenten und Hochschullehrer. Berühmte Gelehrte konnten nach Mainz berufen werden Johann Peter Weidmann, Samuel Thomas Soemmerring, Johannes von Müller und Georg Forster, die ihrerseits zur Attraktivität der Universität beitrugen.

Zum Ende des 18. Jahrhunderts geriet die Mainzer Universität in den Sog der Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich. Im Jahr 1792 eroberten französische Truppen die Stadt Mainz und vertrieben den Mainzer Kurfürsten. Während der französischen Besatzung befürworteten zahlreiche Studenten und Dozenten die Revolution und trugen maßgeblich dazu bei, dass in Mainz eine eigene Republik gegründet wurde: die Mainzer Republik.  

Diese Republik bestand jedoch nur kurz und Mainz wurde rasch von den Truppen der Koalition zurückerobert. Unter der französischen Besatzung wurde der Lehrbetrieb im Jahr 1792 angesichts der Kriegshandlungen eingestellt und wurde in den politischen Wirren der folgenden Kriegsjahre nicht wieder kontinuierlich aufgenommen.  

Als die Franzosen Mainz im Jahr 1798 erneut besetzten, wurde die Universität am 28. April schließlich per Dekret in eine Zentralschule und eine medizinische Spezialschule umgewandelt und in das französische Bildungssystem integriert. Nach der Auflösung der Zentralschule und ihrer Umwandlung in ein Lyzeum 1803 wurde der Anspruch auf eine akademische Ausbildung endgültig aufgegeben. Lediglich die medizinische Spezialschule sorgte für die Kontinuität der alten Universität, bis auch diese 1823 ihren Lehrbetrieb einstellen. Lediglich einige Teile der Universität bestanden weiter fort – darunter der Universitätsfonds, das 1784 gegründete Mainzer „Accouchement“ (eine Hebammenlehranstalt) sowie das Mainzer Priesterseminar. Sie sollten die Universitätsidee in Mainz auch im 19. Jahrhundert aufrechterhalten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Universität Mainz am 22. Mai 1946 auf Initiative der französischen Militärregierung feierlich wiedereröffnet. Mit dem neuen Namen „Johannes Gutenberg-Universität Mainz“ nahm sie Bezug auf ihre Ursprünge im 15. Jahrhundert: Ihr Namenspatron Johannes Gutenburg prägte durch seine Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern die Stadt Mainz und weit über ihre Grenzen hinaus die Medienproduktion, und somit ebenfalls die Gründungszeit der Universität. Sie war zunächst die einzige Universität im neu gegründeten Bundesland Rheinland-Pfalz. Von einer Wiedereröffnung sprach man nicht ohne Grund: Die junge JGU knüpfte bewusst an die Traditionen der alten Mainzer Universität an, etwa indem das Siegel der alten Universität wieder aufgriffen wurde. Außerdem wurde der 1781 gegründete Universitätsfonds, der einst die historische Hochschule finanzierte, übernommen und unterstützt bis heute Forschung und Lehre. Auch das Mainzer Priesterseminar spielte eine zentrale Rolle. Seine Professoren waren 1946 der Nukleus der neuen Katholisch-Theologischen Fakultät. Zudem wurde im Jahr 1950 die bereits 1784 gegründete Hebammen-Lehranstalt in die Universität eingegliedert. Als Standort wählte man die erst kurz zuvor erbaute Flakkaserne in Bretzenheim. Das Gebäude hatte den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden, war jedoch stark ausgeplündert, sodass vor dem Einzug der neuen Universität umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen nötig wurden. Bis Mai 1946 gelang es, das Gebäude für den Lehrbetrieb herzurichten. Ebenso erfolgreich verlief der erste Semesterstart: Rund 100 Professoren konnten berufen werden, und mehr als 2.000 Studierende nahmen ihr Studium auf. Im Jahr 2025 zählt die JGU knapp 30.000 Studierende aus 120 Nationen und gehört damit zu den größten und vielfältigsten Universitäten Deutschlands. Etwa 4.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter 519 Professorinnen und Professoren, forschen und lehren an der Universität. Mit 76 Studieneinrichtungen und 298 Studiengängen bietet die JGU ein breites Spektrum und fördert so eine interdisziplinäre Forschung und Lehre.

Die 1950er Jahre können als Phase der Konsolidierung der JGU betrachtet werden. In dieser Zeit überwand die Universität die Notlagen der Nachkriegsjahre und behauptete sich erfolgreich unter den westdeutschen Hochschulen. Doch schon bald traten neue Herausforderungen auf: Die Zahl der Studierenden wuchs rasant, während die personellen und finanziellen Mittel der Universität trotz Ausbauplänen kaum Schritt hielten. Erst ab Ende der 1960er Jahre konnte der Lehrkörper erweitert und das Studienangebot an den steigenden Bedarf angepasst werden.  

Die 1960er und 1970er Jahre brachten – ganz im Geist der Zeit – ein neues politisches Bewusstsein sowie Protestaktionen der Studierenden mit sich. Diese Auseinandersetzungen wirkten schließlich bis in die Hochschulpolitik hinein: Im Jahr 1970 wurde das rheinland-pfälzische Hochschulgesetz verabschiedet, welches die Universität umfassend ausbaute und die Proteste allmählich abflauen ließ. Das Gesetz löste die alten Fakultäten auf und gliederte die JGU neu in Fachbereiche. In Folge dessen wurden auch das „Staatliche Hochschulinstitut für Musikerziehung“, heute die Hochschule für Musik, das „Staatliche Hochschulunstitut für Kunst- und Werkerziehung“, heute die Kunsthochschule sowie das „Staatliche Hochschulinstitut für Leibeserziehung“ als Fachbereiche in die Universität integriert. Ein weiteres klares Zeichen des institutionellen Umbruchs war 1974 die Wahl Peter Schneiders zum ersten Präsidenten. Dieses Ereignis markierte zugleich die Ablösung der alten Rektorenverfassung. Gleichzeitig spitzte sich die Lage durch den Numerus Clausus und prekäre Wohnungsnot zu, was immer wieder zu studentischen Protesten führte. Trotz dieser Spannungen bildete die 500-Jahr-Feier im Jahr 1977 einen bereichernden Höhepunkt, der die historische Kontinuität zur alten Mainzer Universität betonte und die Verbundenheit der Hochschule mit der Stadt Mainz stärkte.  

Ab den 1980er Jahren wandelte sich die JGU zu einer strategiefähigen Organisation. Ein Meilenstein war die Denkschrift „Forschung und Lehre bis zum Jahr 2000. Denkschrift zur weiteren Entwicklung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz“ von 1988, mit der die Universität begann, sich durch Schwerpunktbildung im Wettbewerb zu positionieren. Seither ist die Geschichte der JGU von Ausbau und Modernisierung geprägt – und hat sie zu einer der zwanzig größten Universitäten Deutschlands werden lassen.

Verfasst von Chiara Daab und Lukas Holin, 2026