„Semper reformanda …“ Diese üblicherweise auf die Kirche angewendete Forderung, dass sie beständig reformiert werden müsse, kann auch auf andere Institutionen übertragen werden, nicht zuletzt auf Universitäten. Das gilt insbesondere, wenn man den Impetus des „semper reformanda“ im Sinne einer ständigen Selbstüberprüfung und Erneuerung versteht. Doch auch wenn man ihn enger fasst, im Sinne einer eigentlichen Universitätsreform, ist er von hoher Relevanz für das Feld der Universitätsgeschichte.

Universitätsreformen – und zwar auch die gescheiterten – gewähren einen tiefen Einblick in die Universitätsgeschichte. Nicht zuletzt ist das Quellenaufkommen im Umfeld solcher Reformen in aller Regel hoch. Auch haben diese Quellen oft eine besondere Aussagekraft. Denn selten wurde so intensiv und kontrovers um Wissensbestände und deren Vermittlung gerungen wie im Umfeld von Universitätsreformen. Ein diachroner Blick auf Universitätsreformen in Mittelalter und Neuzeit kann daher erhellend sein im Hinblick auf epochenübergreifende und zeitspezifische Vorstellungen von universitärer Bildung, und er kann eben deswegen auch einen wertvollen Reflexionshintergrund für die Diskussionen der Gegenwart bereitstellen.

Vor dem Hintergrund dieser Zielsetzung nimmt die Tagung Voraussetzungen, Umsetzung und Wirkungen von Universitätsreformen in der longue durée in den Blick. Ausdrücklich in die Betrachtung einbezogen sind auch gescheiterte Reformen oder gar nicht erst umgesetzte Reformprojekte, denn auch die Auseinandersetzung mit ihnen kann einen hohen Erkenntniswert besitzen.