Wir schreiben das Jahr 1798: Das ganze heutige Rheinland-Pfalz ist von den Franzosen besetzt. Die 1477 von Erzbischof Dieter von Isenburg gegründete Mainzer Universität wird von der französischen Besatzungsmacht aufgelöst. „Die ganze Universität?“, darf man hier fragen. „Nein, nicht die ganze Universität! Ihre Bibliothek bestand (nicht als einziges) weiter!“ Sie wurde einige Jahre später, 1805, zur Stadtbibliothek und besteht so bis heute.
Es ist ein Glücksfall, dass sich die Existenz der communis liberaria schon für die Anfangszeit der Universität nachweisen lässt. Dennoch gelingt es nicht mehr, ihre Entwicklung über 550 Jahre hinweg lückenlos nachzuzeichnen. Zu oft ist das Leben der Bibliothek schon vor der Franzosenzeit durch Vernachlässigung oder Krieg durcheinandergebracht worden. Untersucht man aber den ehemaligen Buchbestand der Universität und andere materielle Zeugnisse ihres Bestehens, lassen sich schlaglichtartig bestimmte Epochen und Ereignisse ausleuchten. Im Jubiläumsjahr 2027 sollen bei Vorträgen und Führungen sowie in einer zusammenfassenden Ausstellung die Suchlichter auf einige dieser fast vergessenen Abschnitte der Bibliotheksgeschichte gerichtet werden.
Die Ausstellung startet mit einem Eröffnungsvortrag am Mittwoch, den 19. Mai um 18:30 Uhr im Lesesaal der Stadtbibliothek. Außer für die Bibliotheksgeschichte besonders aussagekräftigen Bücher sollen auch Einbände aus dem Besitz der Erzbischöfe sowie die alten Besitzstempel ausgestellt und an die Orte innerhalb der Stadt erinnert werden, an denen die Bibliothek in der Vergangenheit gesiedelt war.